Über 2 Wochen ist der letzte Blogeintrag her, ich konnte mich irgendwie nicht aufraffen, etwas zu schreiben, war im Gegenteil ganz froh, wenn ich mal nicht so viel nachdenken musste und vor allem hatte ich keine Lust, mich selbst zu reflektieren. Beziehungsweise hab ich mich noch nicht bereit gefühlt, meine Gedanken hier zu offenbaren, musste die erstmal ordnen und die richtigen Worte finden.
Das neue Semester ist bereits 4 Wochen alt und alles geht seinen gewohnten Gang: Jobben, Uni, Jobben, Uni, Referate und die letzte Hausarbeit aus dem vergangenen Semester- und der Praktikumstag in der Schule. Bisher war ich mit meiner Tandempartnerin immer von der ersten bis fünften Stunde in der Schule und neben Französisch- haben wir uns auch Englischunterricht angeschaut. Eine beruhigende Feststellung durfte ich schon machen: Sooo 100%ig perfekt ist das Französisch der Lehrer auch nicht, es sei denn natürlich, sie sind Muttersprachler. Das nimmt mir so ein bisschen den Druck fürs Selbst Unterrichten, die Angst, sich sprachlich zu blamieren. Pädagogisch und didaktisch gesehen habe ich witzigerweise keine Angst, das wird schon irgendwie schief gehen…
Angst habe ich vor etwas anderem. Wobei Angst hier schon ein ziemlich großes Wort ist, auch ganz schön reißerisch muss ich zugeben. Aber ich weiß nicht, wie ich das Gefühl sonst beschreiben soll. Wie ihr vielleicht aus den vergangenen Blogeinträgen wisst, überlege ich mir ernsthaft, nach dem Master nicht an die Schule zu gehen, sondern an der Uni zu bleiben, um in britischer Literatur zu promovieren. Aber ich hab vor dieser Entscheidung auch Angst, weil es so viele Faktoren gibt, die mich in meiner Wahl verunsichern, als da wären:
1. Hab ich überhaupt wirklich das Zeug dazu? Womit ich wieder beim Thema Selbstzweifel wäre, mein steter Begleiter in allem, wo ich richtig was an Arbeit reinstecke.
2. Familie? Nicht mal ein Viertel des Uni-Mittelbaus hat Kinder. Ist eine Familie haben und eine wissenschaftliche Karriere denn unvereinbar, ein Ding der Unmöglichkeit? Ich möchte Kinder und das auch nicht erst, wenn ich 40 bin. Aber verbaue ich mir damit nicht meine Chancen?
3. Flexibilität? Man muss man unheimlich flexibel sein, sowohl zeitlich als auch räumlich. Die Unis sind halt greößtenteils klamm, da muss man nehmen, was man kriegen kann. In Wien wird eine Stelle als post-doc frei?!- Nichts wie hin da- oder doch nicht??
4. Finanzierung? Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Stipendium? Oder auf eigene Faust? Und wie lange werde ich wohl einen Hungerlohn verdienen, wenn ich den Doktor erst habe? Kann ich mich womöglich erst mit Mitte/Ende 30 gut selbst ernähren?
5. Befristete Verträge? Dieser Punkt macht mir zur Zeit neben der Familienplanung am meisten zu schaffen. Eine meiner Dozentinnen aus dem Bereich der Erziehungswissenschaft wurde als Sparmaßnahme der Vertrag nicht mehr gekündigt und das, obwohl sie fantastische Arbeit leistet und sich gerade zu Habilitation angemeldet hat. Man ist so krass davon abhängig, ob die eigene Fakultät flüssig ist oder halt nicht. Wenn eingespart werden muss, sind’s die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die als erstes fliegen. Und selbst, wenn der Vertrag auf eine 2. Periode verlängert wird, ist man dann 6 Jahre am selben Fleck und danach muss man sich wieder umschauen. Diese Unsicherheit lässt sich wahrscheinlich nur aushalten, wenn man einfach versucht das zu verdrängen und nicht dran zu denken.
All diese Fragezeichen geistern mir die letzten Wochen im Kopf herum und ich hoffe, dass sich einige davon aufklären, wenn ich mich nach Pfingsten mit einigen Dozenten zwecks weiterem Vorgehen treffe. Besagte Erzwis-Dozentin möchte mir sogar helfen, ein Stipendium zu bekommen. Ich werde berichten- nicht so sehr, damit ihr auf dem Laufenden seid, sondern weil mir das Führen dieses Blogs hilft, Sachen für mich auf den Punkt zu bringen und in Worte zu fassen. Ohne dieses Stück Schreib-Internet würd ich vermutlich versuchen, meine Befürchtungen so weit es geht von mir weg zu schieben, aber das ist auch keine Lösung.
Dieser Blog hilft mir dabei, mich meinen Ängsten und negativen Gedanken zu stellen und die guten Dinge zu erkennen. Amen.
